Posted in Main Outdoor

Teil 1: Dolomiten – Schlern und Almabtrieb

Teil 1: Dolomiten – Schlern und Almabtrieb Posted on 18. September 20173 Comments

Seit einer gefühlten Ewigkeit wollte ich schon in den Dolomiten – für viele ja die schönsten Berge der Welt – wandern. Warum es bis jetzt nichts geworden ist, keine Ahnung. Irgendwie hat man ja im Kopf, dass Urlaub Strand, Sonne und Meer heißt, obwohl Berge und Wandern zum Entschleunigen und als Medizin gegen Stress beitragen. Auch Bewegung hilft beim Abschalten.

Durch eine glückliche Fügung, dem Gewinn eines Reisegutscheins von Travador, kann ich dies nun von meiner Bucket-List streichen, obschon mich die Dolomiten sicher wieder sehen werden. So ging es nun Anfang September vollbepackt, von Wien über Salzburg nach Völs am Schlern, genauer nach St. Konstantin ins 4-Stern Parc Hotel Montimare. Der Verkehr war eine Katastrophe, wir waren statt der geplanten 3,5 Stunden von Salzburg, 7 Stunden lang unterwegs und damit beschäftigt den Kleinen zu unterhalten. Der Stress der Anreise legte sich jedoch sofort beim Anblick des Bergpanoramas, unsers Zimmers, des Spas und beim leckeren Galadinner am Abend.

Bereits am nächsten Tag ging es dann auf die längste Tour unserer Reise. Der Hausberg von Bozen und Wahrzeichen Südtirols: Der 2.563 m hohe Schlern stand auf dem Programm. Da es am Vortag geregnet und auf einem Teil der Strecke Schnee liegen sollte, rüsteten wir den Kleinen mit Haube, Handschuhe, Strumpfhose, Langarmshirt, Pulli und seiner Softshell-Matschhose und Jacke aus. Auch für uns kam Wechselkleidung und Ringelblumencreme, für Wangen und Nase des Kleinen, in den Rucksack. Da ich aber nicht gerne unnötige Last herumschleppe, wir durch Kraxe so und so schon 15kg zusätzlich tragen, wurde der Rucksack nur mit dem Nötigsten bepackt. Natürlich waren Stöcke, wenn man mit Kraxe geht super entlastend für Rücken und Beine, Wanderkarte sowie Handy, zwecks Notruf oder Orientierung, mit an Bord.

Demut gebietend und erhebend zugleich, kaum etwas in der Natur flößt uns so viel Ehrfurcht ein wie der Anblick von Bergen.“ (Kofi Annan)

Ausgangspunkt: Parkplatz am Völser Weiher oder wie wir direkt vom Hotel Montimare

Schwierigkeit: Mittelschwierige aber lange und teilweise steile Bergwanderung. Vom Hotel aus waren es 21 km bei 1.686 Hm. Am Prügelweg ist gerade bei Nässe, da hier Felsen und Holzbrücken sind, Trittsicherheit gefordert. Mit ein wenig Kondition ist es mit der Kraxe zu schaffen. Wir haben uns beim Tragen öfters abgewechselt.

Hütte: Tuffalm (1.274 m ), Sesselschwaige (1.940 m), Schlernhaus (2.457 m)

Anschlusswanderung: Auf den Gipfel des Mont Pez (2.564 m)

Schon am Start der Bergtour, am Völser Weiher, sind wir von Landschaft und der ausgestrahlten Ruhe beeindruckt! Dampfschwaden ziehen über den See, der schneebedeckte Berg glitzert in den Sonnenstrahlen. Hier lassen wir den kleinen Mann auch aus Kraxe und ein paar Meter laufen. Er muss ja dann doch noch so einige Zeit in der Trage verbringen. Von dort wandern wir am Huberweiher vorbei zur ersten Steigung. Nach einem Stück Forststraße geht es rechts in den Wald hinein. Als wir das Waldstück verlassen, erhebt sich vor uns das malerische Panorama des schneebestäubten Schlerns und saftiger, grüner Wiesen im Vordergrund. Linker Hand befindet sich die Tuffalm (1.273 m) an der wir jedoch vorbeiwandern, uns rechts an einen Forstweg halten und über den Völser Bach steigen. Hier wird zum ersten Mal auch die Kraxe getauscht und es geht damit für mich gleich einen steilen Anstieg hinauf bis zur Talstation der Materialseilbahn (1.455 m) vorbei. An ihr geht unsere Route links weiter und wird zum schmalen Pfad der sich am Felsen entlangschlängelt und auf der anderen Seite steil abfällt. Jetzt ist Konzentration gefragt und das bei herrlichem Blick auf die steilen Felswände des Schlern. Nicht ganz einfach bei dem tollen Anblick.

Nach einem kurzen Abstieg kommen wir zu einer Gabelung auf der wir jedoch weiter bergauf bis zum Rastplatz Peter Frag (1.653 m) wandern. Hier teil sich der Weg in Schäufelsteig (eine steilere Variante zum Schlernhaus) und Prügel- oder Knüppelsteig welchen wir nehmen. Vor allem mit der Kraxe und Schneelage wollen wir nicht unbedingt über nasse Felsen klettern. Durch die Schlernschlucht, auch Teufelsschlucht genannt, führt uns dieser Weg „über“ den Schlernbach. „Über“ deshalb, da wir dabei über einige 100 Meter lange Holzbrücken wandern, deren Holzbalken jedoch sehr eigenartig angeordnet sind und keine ebene Oberfläche ergeben. Als wir uns gerade die Frage stellen warum dies so ist, hören wir von weiten Glocken. Das können nur Kühe oder Ziegen sein. Als die Geräusche immer näher kommen, wundern wir uns, „hier auf dem schmalen Pfad und den Felsen können doch wohl kaum Tiere weiden.“ Als an der nächsten Kurve die erste Kuh auftaucht, ist das Rätsel bald gelüftet. Ein Almabtrieb, daher auch diese besonderen Brücken damit die Tiere Halt finden. Wie wir später herausfinden sollten, ist dies der einzige Weg um Herden auf die Schlernalmen zu führen. Tja Glück muss man haben. Auf jeden Fall ein spektakulärer Anblick, vor allem für den Kleinen, der beim Gebimmel der Glocken natürlich aufgewacht ist. Wir stellen uns an den Rand des Weges und sind froh der Herde nicht auf einer der Brücken begegnet zu sein. Die Tiere sind extrem fit  und hochkonzentriert um den für sie richtigen Weg zu finden und ignorieren uns total. Als die Herde vorüber gezogen ist, machen wir uns an den Weitermarsch und werden von einem der Senner informiert, dass noch weitere Herden folgen werden. Na das kann ja spannend werden, vor allem da es jetzt richtig steil wird!

Doch wir verlassen die Schlucht ohne auf weitere Herden zu treffen und erreichen die Sessel Schwaige. Nun hören wir sie wieder, die Kuhglocken. Da lässt sich auch schon die erste Kuh auf einer Kuppe ausmachen. Wir bleiben ein wenig Abseits in der Nähe der Schwaige stehen und lassen die Senner ihre Arbeit verrichten. Diesmal folgen gleich zwei Herden aufeinander und die Senner in blauen Schürzen haben alle Hände voll zu tun, Kälber, Kühe und Stiere in die richtige Bahn zu lenken. Nur ein paar Einzelne wollen ausbüxen um Hasen zu jagen oder um sich leckere Gräser schmecken zu lassen.

Nun geht es auch für uns weiter über Grashänge, die ab nun auch schneebedeckt sind und es ist Trittsicherheit gefragt. Wir lassen die Baumgrenze und Latschen hinter uns und begegnen einer nächsten Herde. Bis jetzt ist diese Bergtour schon ein einmaliges Erlebnis und ein großes Abenteuer für den kleinen Mann, der jetzt wieder auf Papa’s Rücken die Welt erkundet. Wir kommen zu einer Gabelung, an der wir auch den Ausgang des Almabtriebs ausmachen. Eine weitere Kuhherde, sowie ein paar Haflinger warten bereits auf die Tour ins Tal. Hier wechseln wir nochmals die Kraxe und es geht in zügigem Tempo über schneebedeckten Untergrund hinauf zum Schlernhaus. Der Kleine will sich nun, nach knapp 3 Stunden, endlich bewegen.

Oben angekommen haben wir einen herrlichen Blick auf die Seiser Alm und die umliegenden Dolomiten wie den Latemar, Rosengarten, die Geisler- und Sellagruppe, sowie die Marmolada überblicken. Im Schlernhaus genehmigen wir uns einen Apfelstrudel mit Vanillesoße, genießen den Ausblick auf schneebedeckte Gipfel und Almen und der Kleinen seinen verdienten „Auslauf“. Ich bin ja richtig überrascht wie lange er es sitzend ausgehalten hat, er soll ja doch auch Spaß an der Sache haben, da wir ja noch öfter auf Bergtouren machen wollen.

Beim Abstieg ist zunächst volle Aufmerksamkeit gefragt, geht es ja wieder über den Schnee, auch wenn dieser schon ein weniger geworden ist, retour. Im Hotel angekommen sind wir froh und glücklich über das einzigartige, gemeinsame Erlebnis und auch ein wenig stolz!

Zum Gehen mit Kraxe/Trage: Das ist natürlich um einiges anstrengender als ohne Dabei ist auch zusätzliche Konzentration gefragt. Man muss das Gewicht und den Schwerpunkt ein wenig anders verlagern. Also tiefer absenken und extreme hoch und- tief sowie schwungvolle Bewegungen vermeiden. Etwa wenn man hohe Stufen steigt oder es steil bergab oder bergauf geht. Stöcke helfen dabei zu stabilisieren und den Rücken zu entlasten. Im Allgemeinen sollte man auch ohne Trage kleine Schritte machen, eine leichte Vorlage einnehmen, den Blick nach vorne richte um Trittpolster zu finden. Und ganz wichtig: Das Können und Kondition richtig einschätzen und das Wollen und den Spaß den das Kind bei einer Bergtour hat. Aber mit Tieren an der Strecke sollte nichts schief gehen, also traut euch und probiert es aus!

Stay Aktiv
Eure Daniela

3 thoughts on “Teil 1: Dolomiten – Schlern und Almabtrieb

  1. Deine begeisterte Schilderung macht lust zum wandern, obwohl unser wandern für dich ein pensionistenspaziergang wäre. Das es auch ist. Wir bewundern euch für euren tatendrang, vorallem dass ihr euren sohn teilhaben lässt. Macht weiter so und wir freuen uns schon auf die folgenden schilderungen. Lgr

  2. Deine begeisterte Schilderung macht lust zum wandern, obwohl unser wandern für dich ein pensionistenspaziergang wäre. Das es auch ist. Wir bewundern euch für euren tatendrang, vorallem dass ihr euren sohn teilhaben lässt. Macht weiter so und wir freuen uns schon auf die folgenden schilderungen. Lgr

%d Bloggern gefällt das: